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Konzeption der außerschulischen Jugendbildung in der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof e.V.

 

1.    Der Auftrag
Die Evangelische Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof e.V. bildet, fördert und qualifiziert ehrenamtliche Mitarbeitende in der Evangelischen Jugend im Rheinland. Zudem bietet sie außerschulische Bildung für Jugendliche und junge Erwachsene an und führt Angebote zu Schwerpunktthemen in der Jugendarbeit für hauptberufliche Fachkräfte durch.
Die grüne Lage und Atmosphäre des Hackhauser Hofes bietet eine besondere Chance des Lebens und Lernens. Als Bildungsort ist sie zugleich Gästehaus mit einladendem Tagungshaus, Park, Außenspielflächen, ansprechenden Gästezimmern, medientechnisch ausgestatteten Tagungsräumen und einer schmackhaften, gesunden Küche.

2.    Die Struktur
Der Verein Evangelische Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof e.V. versteht sich als Teil der Lernkultur einer auf Nachhaltigkeit angewiesenen und aufbauenden Gesellschaft.

Nachhaltigkeit wird hier im Rahmen des Konziliaren Prozesses verstanden: Christliche Kirchen machen sich auf den Weg zu Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung. In dem Bildungsverständnis des Hackhauser Hofes sehen wir Nachhaltigkeit als Verpflichtung zur Kontinuität in Fragen wie zum Beispiel: zur Geschlechterdemokratie, zu gewaltfreiem Umgang mit Konflikten, zu ökologischem Lernen, zu Bedingungen und Gestaltung des Ehrenamtes und Hauptamtes, zur Vielfalt von Integration, zur Selbstwirksamkeit der Person sowie zur Entdeckung von Spiritualität in alltäglichen Zusammenhängen.


Die Bildungsangebote finden im Verband der Evangelischen Jugend im Rheinland statt. Das Bildungsangebot umfasst fachspezifische Qualifikationsmaßnahmen und Fortbildungen für Multiplikatorinnen und Multiplikatoren in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Vereinzelt gibt es exemplarische Kooperationen mit Schulen.
Der Bildungsauftrag ist zum einen durch einen Kooperationsvertrag zwischen dem Verein und der Evangelischen Kirche im Rheinland festgeschrieben, der die Gestellung einer Landespfarrstelle beinhaltet. Diese und eine Pädagogin/ein Pädagoge bilden gemeinsam die geschlechterparitätische Leitung des Hauses.
Zum anderen hält die vom Land NRW anerkannte und geförderte Jugendbildungseinrichtung eine pädagogische Fachreferentin und einen pädagogischen Fachreferenten vor, deren Stellen gemäß der Richtlinien des Kinder- und Jugendplans NRW gefördert sind. Die Theologin/der Theologe und die Pädagoginnen/die Pädagogen bilden das paritätisch besetzte Team, das die Bildungsmaßnahmen durchführt.
Das spezifische Bildungskonzept der Jugendbildungsstätte konzentriert sich auf zwei aufeinander angewiesene Zielgruppen: auf Ehrenamtliche und auf Hauptberufliche in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Die Bildungsmaßnahmen sind als Angebote des Lernens zu verstehen.
Das Team der Jugendbildungsstätte führt diese Angebote zielgruppenorientiert durch und stellt sie in einer eigenen Öffentlichkeitsarbeit dar. Zur Erfüllung des Bildungsauftrages steht es in Austausch, Kooperation und Vernetzung mit Fachgremien, -stellen und Bildungsinstitutionen und bildet sich kontinuierlich fort. Es arbeitet komplementär mit Einrichtungen und Institutionen der Evangelischen Jugend im Rheinland zusammen.

3.    Die Zielgruppen

Nach biblisch-theologisch und anthropologisch fundiertem Menschenbild wird der einzelne Mensch als lern- und erfahrungsoffenes, handelndes Wesen verstanden. In der Interaktion mit seiner Umwelt entwickelt und bildet es sich zu einer eigenständigen urteilsfähigen Persönlichkeit.
Die Zielgruppe der Ehrenamtlichen wird ausgehend und anknüpfend an den Kontext ihrer Lebenswelt und -erfahrungen sowohl pädagogisch qualifiziert als auch in der persönlichen Entwicklung gefördert.
Die Zielgruppe der Hauptberuflichen in der pädagogischen Arbeit mit Kindern und Jugendlichen verfügt über eine pädagogische Grundausbildung. Die Bildungsangebote für diese Zielgruppe stellen fachspezifische Fortbildungen und Qualifikationsmaßnahmen in der  Kinder- und Jugendarbeit dar.
Zur Zielgruppe der Jugendlichen ist allgemein zu sagen: Die Alterspanne der Jugend gibt es nicht. Was unter der Altersspanne der Jugend zu fassen ist, wird je nach Kontext (biologisch, psychologisch, pädagogisch, soziologisch, juristisch) unterschiedlich definiert. Um sich der Lebenswirklichkeit junger Menschen so zu stellen, wie sie sich in der pädagogischen Praxis der Seminare zeigt, gilt es diese fachspezifischen Bedeutungszusammenhänge zu berücksichtigen. Deshalb ist es unabdingbar, Handlungsspielräume und Belastungsgrenzen für einzelne Altersgruppen innerhalb des Lebensabschnitts der Jugend zu bestimmen und Bildungsangebote mit einer entsprechenden altersspezifischen Didaktik zu konkretisieren. Das Ziel der Maßnahmen ist es, die Wahrnehmung von Handlungsoptionen von jungen Menschen zu erweitern.

Eine Erweiterung der Handlungsmöglichkeiten heißt, aus der Fülle schöpfen können: Dies geschieht im Wahrnehmen und Entwickeln der eigenen Talente sowie Kompetenzen. Dies geschieht darüber hinaus im Erleben von Demokratie und Mitgestaltung, es geschieht in der Entwicklung des Reflexionsvermögens und im Entdecken religiöser Sprachfähigkeit. Dies umfasst zudem das Wecken von Neugier auf Unbekanntes und eine kulturelle Offenheit.
Die Bildungsarbeit im Hackhauser Hof versteht sich als geschützter Lernraum, in dem der jugendliche Mensch sich ausprobieren kann. In einer solchen Atmosphäre wird die Grundlage zu einem Lernen geschaffen, das Gewusste in Frage zu stellen und kaum Gedachtes zum Thema zu machen. Gestaltungsfreiheit wird großgeschrieben und eigene Erfahrungen der Handlungsfähigkeit und Selbstwirksamkeit können gemacht werden. Deshalb definiert sich Selbstwirksamkeit in diesem Zusammenhang als die subjektive Überzeugung, schwierige Aufgaben oder Lebensprobleme aufgrund der eigenen Kompetenz bewältigen zu können.

   

4.    Das Bildungs- und Lernverständnis

Das Lernverständnis basiert auf einem mehrdimensionalen, ganzheitlichen Bildungsbegriff. Diese Allgemeinbildung für den jungen Menschen geschieht um seiner selbst Willen.
Mehrdimensionales Lernen umfasst und verbindet kognitive, emotionale, soziale, spirituelle, wert- und handlungsorientierte Dimensionen.
Bildung als offener Prozess bezieht sich auf die Förderung von
Urteilskraft, Selbstwirksamkeit, Entwicklung von Empathie und die Übernahme von Verantwortung, Problemlösungen, Gemeinschaftssinn und kultureller Offenheit.
Ziel ist die Bildung einer eigenständigen Identität. Dies impliziert eine selbstgeleitete, verantwortliche Alltagsgestaltung und -bewältigung als vernunftgeleitetes, religiöses, geschlechtliches und kulturelles Wesen.
Bildung als Lernangebot ist prozessual: nicht abschließbar, sondern offen und dialogisch angelegt. Sie wird initiiert durch interaktive Auseinandersetzung mit den Inhalten zwischen dem Individuum, der Lerngruppe und der Seminarleitung.
In diesem Prozess bietet die Seminarleitung den pädagogischen Rahmen, strukturiert und moderiert die Auseinandersetzung. Methodisches Wissen und pädagogische Kompetenz werden eingesetzt, um die Teilnehmenden in ihren Lernprozessen zu unterstützen und zu fördern. Lernen findet in unterschiedlichen Formen statt: Exemplarisches Lernen, Lernen am Modell, Lernen durch Ausprobieren.
Die Bildungsangebote werden didaktisch so aufbereitet, dass mit vielfältigen Methoden und Zugängen selbständiges Lernen zu einer mündigen Persönlichkeit führen soll.


5.    Die Inhalte
Die Inhalte werden aus den Lebensthemen und Bedürfnissen Jugendlicher, aus evangelischen und jugendverbandlichen, sowie aus gesellschaftsrelevanten Fragestellungen entwickelt. Die Inhalte in der Bildung der Persönlichkeit verschränkt sich mit der Förderung des ehrenamtlichen Engagements in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Eine Konkretisierung dessen kommt in der Juleica Qualifikation (Kommunikation, Methoden, Verantwortung) zum Ausdruck.
Aus der eigenen Selbstverpflichtung sowohl zu Innovation als auch zu Kontinuität und Nachhaltigkeit ziehen sich spezifische Bildungsthemen wie ein roter Faden durch das Programm des Hackhauser Hofes.
Themenfelder orientieren sich an der auf Nachhaltigkeit angewiesenen und aufbauenden Gesellschaft:

  • (Inter)kulturelles und interreligiöses Lernen
  • Religions- und Gemeindepädagogik
  • Friedenspädagogik/Gewaltprävention
  • Jugendarbeit und Schule
  • Arbeit mit Kindern
  • Gesundheitsprävention für Kinder und Jugendliche
  • Geschlechtergerechtigkeit
  • Musisch-kulturelle Bildung
  • Medienkompetenz
  • Umweltpädagogik



Beschlossen durch die Mitgliederversammlung der Evangelischen Jugendbildungsstätte Hackhauser Hof e.V. am 10. Mai 2007.



Hackhauser Hof e. V. · Hackhausen 5b · 42697 Solingen · Fon 0212 22201-0 · Fax 0212 22201-20